Offener Brief an Minister Helmut Holter

Sehr geehrter Herr Holter,

wir als Lehrer*innen des Carl-Zeiss-Gymnasiums Jena sind zutiefst verunsichert und sehen uns durch das Kultusministerium und das Schulamt mit einem Dilemma konfrontiert. Warum?

Das Bundesinfektionsschutzgesetz sieht eine Testpflicht an Schulen vor. Wöchentlich müssen Schüler*innen und Lehrer*innen zweimal getestet werden, weil sie sonst das Schulgebäude nicht betreten dürfen. Als Lehrer*innen begrüßen wir ausdrücklich diesen Ansatz des gültigen Testregimes und sind grundsätzlich bereit, zur Eindämmung der Pandemie auch unseren Beitrag zu leisten.

Bisher hatten unsere Schüler*innen und wir Lehrer*innen nasale Tests angewandt. Nun jedoch hat unsere Schule Spucktests erhalten. Leider sind die vom Ministerium gelieferten Spucktests (RealyTech®) auf der die geprüften Selbsttests ausweisenden Liste des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nicht zu finden. Das heißt, dass der Schnelltest die Mindestkriterien des BfArM nicht erfüllt oder dass die Nachweisfähigkeit und die Gebrauchstauglichkeit des Tests noch nicht bewertet wurde.

Dieser Umstand macht es uns sehr schwer bis unmöglich, diese Tests mit einem guten Gefühl sowohl gegenüber den Schüler*innen als auch den Sorgeberechtigten anzuwenden.

Es ist uns somit unverständlich, dass das Schulamt uns wider besseres Wissen anweist, diese Tests, die die Mindeststandards möglicherweise nicht erfüllen, an Schüler*innen zum Selbsttest auszuhändigen. Halten wir uns als Lehrer*innen an die vorgegebenen Richtlinien des BfArM, verstoßen wir allerdings automatisch gegen eine ausdrückliche Dienstanweisung.

Als Dienstherr stellen Sie uns damit vor ein nicht lösbares Dilemma. Sie lassen uns ratlos zurück.

Herr Minister, im Spannungsfeld zwischen Schüler*innen, Sorgeberechtigten, Dienstherrn und den Erwartungen der Gesellschaft insgesamt versuchen wir seit mehr als einem Jahr unter den gegenwärtigen Bedingungen unser Bestes zu geben und auch unseren Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie zu leisten. Die beschriebenen Rahmenbedingungen haben auf unserer Seite für eine große Unsicherheit gesorgt, unnötigen Mehraufwand produziert und darüber hinaus unser Kollegium vor eine Zerreißprobe gestellt. Wir erwarten, dass uns Schnelltests zur Verfügung gestellt werden, die vom BfArM bewertet wurden, damit wir uns weiterhin vor allem unserem Kerngeschäft, der Qualifikation und Begleitung unserer Schüler*innen widmen können.

Mit besten Grüßen,

Betina Arnold, Kerstin Bauer, Bernd Bode, Dr. Ilona Böttcher, Katrin Breunig, Kevin Cebulski, Diana Drefahl, Stefanie Elsner, Dr. Annett Fiedler, Tom Fleischhauer, Marcus Heiner, Franziska Handloike, Katrin Hoppe, Kerstin Jahr, Richard Koch, Mirko König, Katharina Krapp, Tanja Lietzau, Sabine Mittelstädt, Dr. Carsten Müller, Katharina Muth, Tino Noack, Kerstin Reichelt, Sabine Rinke, Kai Rodeck, Dr. Gerhard Roesch, Ilona Schiek, Monika Schmidt, Mario Schönitz, Susanne Schubert, Ines Seime, Ina Sickel, Dr. Frank Skorsetz, Heike Trumler, Dr. Stefan Völker, Kerstin Weiß, Sybille Weiß, Anja Wessels, Nicole Westerboer, Bärbel Wick


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