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Zwischen Eisbären und Fruchtfliegen sind die Teilnehmer der 3. Runde der IBO & Neun Fragen an die Gewinnerin mit 9. Platz

Drei Jugendliche der Klassenstufe 12 qualifizierten sich für die 3. Runde der IBO in Kiel und wir freuen uns, dass alle drei eine spannende und auch sehr intensive Woche an der Küste erlebten. Nico, Linnéa und Annemarie berichten in einem Tagebuch über ihre Woche und am Ende stehen auch noch 9 Fragen an die Gewinnerin, die den 9. Platz holte und somit die Qualifikation für die 4. Runde erreichte.

Tag 0
Trotz der Tatsache, dass die Anfahrt eigentlich sehr gut organisiert war, waren 5 Minuten Umsteigezeit dann doch etwas zu eng gewählt. Da die Deutsche Bahn die Deutsche Bahn ist, erreichten wir Kiel am Ende ca. eine Stunde später als erwartet. Nach 7 Stunden Reisezeit kamen wir dann doch endlich an der Jugendherberge an. Tipp des Tages: Eine DB-Fahrt braucht bei weitem mehr als 5 Minuten Umsteigezeit.

Tag 1
Am ersten Tag wurden noch keine Klausuren geschrieben, dafür gab es jedoch für die jeweiligen Klausuren praktische Crashkurse, welche teilweise Crash-outs verursachten. Aufgrund einer alphabetischen Sortierung wurden wir in drei Gruppen geteilt, welche parallel die verschiedenen Kurse durchliefen. Es wurden noch einmal die grundlegenden Arbeitsmethoden der Botanik, der Biochemie und der Zoologie vermittelt. Davor jedoch wurden Wetten der Betreuer abgeschlossen, welche ihrer Klausuren des nächsten Tages am kompliziertesten sei. Die Botanik ließ uns Querschnitte erstellen, mit dem Vorwand uns bitte nicht in den Finger zu schneiden. Das passierte dann erst an Tag 2. Dabei entstanden wunderschöne Sprossachsen-Querschnitte wie:

(Um das kurz klarzustellen: so sah es in der richtigen Klausur absolut nicht aus.)
Die Biochemie umfasste Laborarbeit und legte großen Wert auf das Bescheid sagen, da sehr viel sehr schief gehen konnte. In der Zoologie erhielten wir eine Schabe. Das wussten wir anfangs nicht, sollten es aber mittels Bestimmungsschlüssel herausfinden. Da das Tier (zum Glück) nicht mehr lebte, waren diverse Körperteile abgebrochen, verfärbt oder unkenntlich, aus diesem Grund war die Schabe kurzzeitig ein Grashüpfer oder auch mal ein Rosenkäfer.
Nach einer Mittagspause folge die Bioinformatik, wo neben Sequenzvergleichen und neuen Websites auch der Wille des Computers eine große Rolle spielte, da dieser des Öfteren Arbeitsverweigerung exklamierte.
Nach diesem ereignisreichen Tag erzählten ehemalige Teilnehmer des Teams wie ihre internationale IBO ablief.
Tipp des Tages: Sagt Bescheid.

Tag 2
Der gesamte zweite Tag war mit praktischen Klausuren bestückt, wobei man sich nicht sicher war, welcher Betreuer die Wette des vorherigen Tages gewonnen hat. Die Botanik umfasste Blätter klassifizieren und Honig mikroskopieren. Angeblich hatten die Jenaer an einem Punkt einen minimalen Vorteil, da die Struktur als Bild an unserer Schule hängt, aber gemerkt haben wir davon nichts.
In der Biochemie sollten wir Strukturen erkennen, Diagramme zeichnen und Experimente durchführen. Dabei funktionierten einige Versuche nur mittelmäßig, da Enzymaktivitäten meist auch wetterabhängig sind.
In der Zoologie waren diesmal nicht nur Insekten angesagt, sondern auch Muscheln. Diese sollten wir erkennen, dann zeichnen und dann die Schichten der Schale benennen. Um Populationen vorherzusagen, sollten wir ein Stück Papier zerschneiden und dann mittels der 3-Fang-Methode auszählen. Am Ende des Tages war Bioinformatik angesagt. Hier stellte sich der Wille der Internetseiten als größten Schwierigkeitsfaktor hervor.
Tipp des Tages: Bei Absorptionsmessungen beschriftet man die Küvette nicht im Strahlengang.

Tag 3
Am Abend des dritten Tages wurde uns von mehreren Betreuern gesagt, dass Lernen für die theoretische Klausur praktisch unmöglich ist. Die Klausur begann mit 80 MC-Fragen, welche man nach 2 der 4,5 Stunden abgeben musste. Am Ende des MC-Teils ergänzte man die noch vorhanden Lücken, sodass ein schönes Muster entstand oder man Buchstaben verwendete, die man davor selten hatte. Wenn man an einer Stelle jedoch 3 Cs hintereinander hat, dann verursacht das Zweifel. Nach der Theorie war der Tag noch nicht vorbei, denn wir durften uns in der Nachbesprechung der praktischen Klausuren noch anhören wie viel wir falsch gemacht haben.
Zitat: „Da ihr jetzt alle denkt ihr seid dumm, zeigen wir euch die besten Ausrutscher der Anderen, damit ihr merkt: Die anderen sind genauso dumm. Und vielleicht fühlt ihr euch da besser.“

(Ein Auschnitt der inoffiziellen Meme-Seite der IBO)
Am Abend folgte der wohl bildungsreichste Teil der gesamten Woche. Wir haben Lars, der kleine Eisbär geschaut. Dabei rettete Lars die Wale fand neue Freunde und brachte uns neue Dinge bei. Dabei unter anderem: W ist ein Buchstabe. W steht für Westen. Der Große Wagen besteht aus 7 Sternen, wir zählen jetzt alle mal bis 7. Dort ist die Sonne, wir zeigen alle mal auf die Sonne.

Tipp des Tages: Biologen wollen nicht Darwin schauen, Biologen wollen Lars den Eisbären.

Tag 4
Der vierte Tag war klausurenfrei. Dafür fuhren wir nach Schloss Gottorf, wo wir zwei tausend Jahre alte Moorleichen sahen und uns ein Boot gezeigt wurde, welches mindestens jährlich von Dänemark versucht wird zu erwerben. Weiterhin gab man uns eine ereignisreiche Barock-Tour, bei welcher nicht nur Tipps zum damaligem Photoshop gegeben wurden, sondern auch Tipps zur Männerwahl. Nachdem wir bei der Rückreise fast einen Teilnehmer verloren hatten, kamen wir wieder in der Jugendherberge an.

Tipp des Tages von einer waschechten Prinzessin: Achtet bei Männern auf gut gebaute Schultern und Oberarme und vor allem auf Mut.

Tag 5
Die Koffer waren gepackt, die Zimmer geräumt und es ging zur Seeburg, wo die Siegerehrung stattfand. Dort wurde ein interessanter Vortrag über molekulare Forensik gehalten, welche mit fortschreitender Entwicklung versucht menschliche Zeugen zu umgehen. Nebenbei wurden auch unterschwellig Tipps für die perfekte Straftat gegeben, aber hauptsächlich ging es um schlagfeste Argumente bei der Verurteilung. Dabei sagte der Vortragende: „Unser Ziel ist nicht das Finden der Schuldigkeit, sondern das Finden der Wahrheit.“
Mit steigender Spannung startete die Siegerehrung, bei welcher alle außer den besten 12 in zufälliger Reihenfolge in 6er-Teams nach vorne gerufen wurden. Am Ende platzierten sich Linnéa und Nico in der vorderen Hälfte und Annemarie erhielt einen 9. Platz und qualifizierte ich somit für die 4. Runde.

Alles in allem war diese Woche eine völlig neue Erfahrung und man konnte sich mit vielen Menschen gleicher Interessen austauschen. Auch wenn die Klasuren teilweise sehr schwer waren, lernten wir insbesondere in den Crash-Kursen viel Neues und wurden nicht nur auf zukünftige Olympiaden vorbereitet, sondern auch auf die berufliche Zukunft in einem biologischem Gebiet.

Nico, Annemarie und Linnéa

Tipp der Woche: Nehmt an der IBO teil, es macht Spaß und ist eine wundervolle Erfahrung.

Wir gratulieren den drei Jugendlichen unserer Schule zu dieser besonderen Erfahrung!

Text: Annemarie und Linnéa

Am Ende in Kurzform: Neun Fragen an Annemarie mit dem 9. Platz

  1. Wieso ist Biologie die beste Naturwissenschaft?
    Die Biologie verbindet viele Bereiche der anderen Naturwissenschaften und kann erklären wie der Mensch funktioniert.
  2. Vertragen sich Stress der 12. Klasse und 4. Runde der IBO?
    Ja tun sie, man muss nur dafür sorgen, dass man nicht den Überblick verliert und in den richtigen Momenten die richtigen Prioritäten setzen.
  3. Drei Eigenschaften zur Woche in Kiel?
    Spannend, anstrengend, lustig
  4. „Ticken“ die IBO-Teilnehmenden anderer Bundesländer auch so?
    In der 3. Runde haben sich sehr viele Persönlichkeitstypen gefunden, aber alle waren in ihrem eigenen Weg speziell.
  5. Wie viele Klausuren waren zu bewältigen und gab es auch Experimente?
    Es gab insgesamt vier praktische Klausuren und eine große theoretische Klausur, und drei der praktischen Klausuren deckten jeden Experimententyp der Biologie ab.
  6. Reichte der Schlaf in der Kiel-Woche?
    Im Sinne des Olympiadenstresses war Schlafen teilweise schwer, aber durch Versicherung der Betreuer, dass Lernen nichts hilft, wurden keine Nächte durchgemacht.
  7. Wie unerträglich ist die Spannung vor der Bekanntgabe der Plätze?
    Grauenvoll, es grenzte fast an Herzversagen.
  8. Gibt es Sorgen vor der 4. Runde?
    Leider kann ich meine Spezi-Abis nicht schreiben und natürlich bleibt die Frage, wie man sich überhaupt vorbereiten kann.
  9. Was bringt die Zeit nach dem Abitur an biologischen Highlights?
    Zumindest die Humanbiologie wird mich im Medizinstudium noch begleiten und jegliche Experimente wahrscheinlich auch.