Text: Helene Schweder
Fotos: Helene Schweder und FBO
Vom 15. bis 20. Februar 2026 trafen sich in Kiel die bundesweit 46 besten Nachwuchsbiolog:innen zur 3. Auswahlrunde der Internationalen Biologieolympiade. Unsere Schule wurde vertreten durch Helene Schweder (Klasse 11), die resümiert: „Trotz dessen, dass es für mich leider nicht für die Qualifikation zur 4. Runde reichte, lag meine Platzierung immerhin in der vorderen Hälfte. Zusammenfassend war die Woche in Kiel eine tolle und erlebnisreiche Erfahrung, bei der ich viel lernen und neue Kontakte knüpfen konnte. Eine Teilnahme an der IBO lohnt sich also und ist auch für „Nicht-Leistungskursler“ zu empfehlen.“

Hier folgt Helenes Bericht über diese Winterferien der ganz besonderen Art:
Sonntag
Während die meisten anderen Schüler wahrscheinlich gerade ihre Ferien genossen, machte ich mich am Sonntagmorgen mit der Deutschen Bahn auf den Weg nach Kiel. Die Reise lief trotz einer kleinen Verspätung reibungslos und ich traf unterwegs noch eine andere IBO-Teilnehmerin. Auf dem Weg vom Bahnhof zur Jugendherberge kamen wir am teilweise zugefrorenen Hafenbecken vorbei, und nachdem wir in der Jugendherberge unsere Zimmer bezogen hatten, machten wir mit unseren Zimmernachbarn einen Spaziergang am Wasser entlang.
Foto: Blick auf das zugefrorene Hafenbecken


Der erste Programmpunkt war anschließend das Abendessen, gefolgt von der Ausgabe der Teilnehmergeschenke und der Gruppeneinteilung für die Klausuren. Nach dem kurzen Kennenlernen von weiteren Teilnehmern und dem Versuch, noch ein bisschen zu lernen, gingen wir schließlich ins Bett.
Foto: Teilnehmergeschenke
Montag
Am Montag fuhren wir nach dem Frühstück mit dem Bus zum IPN, wo Crashkurse auf dem Programm standen.
In der Zoologie wurden uns der Körperbau von Insekten und die Systematik der Tiere erklärt. Anschließend bestimmten wir mit Hilfe eines dichotomen Schlüssels einen Wurm aus der Ordnung der Vielborster, bei dem aber auch unter dem Mikroskop keine Borsten zu sehen waren.
In der Botanik wurde uns der Aufbau von Sprossachsen und Blättern erklärt, und wir fertigten angefärbte Blattquerschnitte an. Zwischen den Crashkursen tankten wir wieder Kraft am Snackwagen, bevor es mit der Biochemie weiterging. Dort lernten wir, wie man Verdünnungsreihen anfertigt und ein Handphotometer bedient.
Nach dem anschließenden Mittagessen ging es weiter mit der Bioinformatik, wo wir Algorithmen zum DNA-Alignment und für die Stammbaumerstellung lernten und den Umgang mit Datenbanken übten.
Nach einem Vortrag über Molekularbiologie und deren Anwendungen fuhren wir zurück zur Jugendherberge und aßen Abendbrot. Am Abend erzählte uns ein Teil des Teams vom letzten Jahr beim MotIBOvationsvortrag von der Internationalen Runde 2025 auf den Philippinen. Einige spielten an diesem Abend noch Spiele, während andere noch versuchten, schnell noch für die Praxisklausuren zu lernen.
Dienstag
Heute war es dann so weit: die Praxisklausuren standen vor der Tür. In Zoologie mussten wir zwar diesmal keinen borstenlosen Borstenwurm, dafür aber eine subadulte Heuschrecke (was wir zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht wussten) bestimmen, was auch für einige Verwirrung sorgte. Außerdem mussten wir Zahnformeln von Gebissen bestimmen und daraus ableiten, was die Tiere essen, und Zeichnungen von Insektenköpfen und Schädeln anfertigen und mit (uns teilweise unbekannten) Fachbegriffen beschriften.
In Botanik sollten wir Blattquerschnitte von Nadeln anfertigen und anhand der Blattquerschnitte über jede Menge Merkmale entscheiden. Anschließend ging es um Spaltöffnungen bei Efeu und beim Drachenbaum und um Gewürze.
In der Biochemie sollten wir anhand einer Verdünnungsreihe die Nitrat-Konzentration einer Lösung mit dem Photometer bestimmen. Außerdem sollten wir die optische Aktivität von Prolin mithilfe einer sehr wackeligen Konstruktion von übereinandergestapelten Geodreiecken, Bechergläsern und Messzylindern und einem schiefen und nur schlecht funktionierendem Polarisationsfilter bestimmen, was erwartungsgemäß schlecht bis gar nicht funktionierte.Nach den ganzen anstrengenden Klausuren mit viel Zeitstress gab es erstmal Mittagessen in der Mensa und ein bisschen Ablenkung mit einem Vortrag über den Förderverein der Biologieolympiade und die angebotenen Praktika. Dann startete die Bioinformatikklausur, bei der wir im hilfsmittelfreien Teil den Needleman-Wunsch-Algorithmus zum DNA-Alignment verwenden mussten (allerdings ein bisschen anders als am Montag geübt) und mit dem Laptop in verschiedenen Datenbanken etwas über die Koffein-Synthase herausfanden und einen Stammbaum erstellten. Anders als erwartet funktionierte das WLAN diesmal problemlos, da nur 23 Teilnehmer gleichzeitig schrieben und diese auch noch auf 3 WLANs aufgeteilt wurden. Nachdem auch diese letzte Praxisklausur vorbei war, gab es erstmal Abendessen in der Jugendherberge, bevor der Tag mit der inhaltlichen Auswertung der Bioinfo-Klausur und einem freiwilligen Angebot zur Studieninformation bei den Betreuern zu Ende ging.
Mittwoch
Die berüchtigte Theorieklausur stand auf dem Programm. In viereinhalb Stunden mussten 80 Multiple-Choice- und 16 Komplexaufgaben gelöst werden, wobei die MC-Aufgaben schon nach zwei Stunden abgegeben werden mussten. Da kein einziges Wort geschrieben werden musste, waren dabei neben (meist unvollständigem) Wissen auch gutes Zeitmanagement und logisches Raten hilfreich. Auch der Snackwagen leistete während der Klausur wieder gute Dienste und versorgte uns mit genügend kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln.
Foto: Ausschnitt der inoffiziellen Meme-Seite der IBO

Nach dem Mittagessen wurden die Praxisklausuren ausgewertet, was einige Aha-Momente auslöste, allerdings auch die Hoffnung auf gute Punktzahlen senkte. Anschließend gab es Abendbrot in der Jugendherberge und wir fuhren zum Mediendom, um dort „Zeitreise – Vom Urknall bis zum Menschen“ (und leider nicht „Lars der kleine Eisbär“) zu schauen. Danach wurden in der Jugendherberge noch gemeinschaftlich Spiele gespielt, da nun alle Klausuren überstanden waren.
Donnerstag
Endlich mal länger schlafen – denn das Programm ging später los als sonst. Den Vormittag verbrachten wir beim Bowling und den Nachmittag nach einer kurzen Besichtigung des Fährterminals nach Schweden in einem Spielecafé, wo wir in kleinen Gruppen miteinander bzw. gegeneinander spielten. Nach dem Abendessen war noch Spieleabend oder Tanzen. Hierbei lernten wir mit einem Partner unserer Wahl Discofox, Walzer, Annemarie-Polka oder Tänze mit Partnerwechsel sowie verschiedene Line-Dances.
Foto: Fährhafen

Freitag
Heute hieß es wieder früh aufstehen, da wir vor der Abfahrt des Busses nicht nur frühstücken, sondern auch unsere Sachen packen und unsere Zimmer sauber machen mussten. Mit dem Bus wurden wir und unser Gepäck zum Zoologischen Museum transportiert, wo wir eine kurze Führung durch die Räume bekamen.
Anschließend hörten wir den Festvortrag von Professor Elmar Wolf über Krebstherapie, und dann wurde es langsam spannend, denn es ging los mit der Preisverleihung. Nach einigen Grußworten wurden wir nach einem uns unbekannten komplizierten System geordnet nach vorne gerufen, um unsere Urkunden und Teilnahmepreise, z. B. Büchergutscheine, entgegenzunehmen. Anschließend wurden noch die Sonderpreise und Praktika, z. B. in der Ökosystemforschung oder der Molekularbiologie vergeben, bevor die Veranstaltung offiziell beendet wurde. Danach konnten wir noch einen Mittagssnack einnehmen, bevor nahezu die Hälfte der Teilnehmer in den gleichen ICE stieg, um nach Hause zu fahren. Auch auf der Rückfahrt gab es wieder Verspätung, sodass ich erst am späten Abend geschafft aber glücklich wieder in Jena ankam.