Was braucht es, damit junge Menschen ihre Begeisterung für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik entdecken und weiterentwickeln können? Gute Angebote gehören sicher dazu. Vor allem aber braucht es Menschen, die Ideen teilen, Kontakte knüpfen und gemeinsam Möglichkeiten schaffen. Genau darum ging es beim Netzwerktreffen der Begabungsförderung MINT Ostthüringen, das am 1. Oktober am Carl-Zeiss-Gymnasium stattfand.
Eingeladen hatten Nicole Planer und Sybille Weiß, die Beauftragten für Begabungsförderung MINT Ostthüringen. Ihrer Einladung folgten nicht nur Lehrkräfte verschiedener Schulen, sondern auch Vertreter*innen aus Wissenschaft, Ministerium [Prof. Dr. Steffen Teichert Staatssekretär für Wissenschaft und Kultur, Heike Mittag & Tom Fleischhauer Ansprechpartner für Begabungsförderung], Schulamt [Christian Schwambach Referent für Gymnasien & Dr. Gundula Seidel Schulpsychologische Ansprechtpartnerin] und zahlreichen außerschulischen Lernorten. Mit dabei waren unter anderem Partner wie witelo, Jugend forscht, MINT Thüringen, das Deutsche Optische Museum, das DLR_School_Lab und weitere Einrichtungen, die Kinder und Jugendliche auf ganz unterschiedliche Weise für Wissenschaft und Forschung begeistern.


Schon die Vorstellungsrunde zeigte, dass an diesem Tag nicht der klassische Vortrag im Mittelpunkt stehen sollte. Statt sich lediglich mit Namen und Institution vorzustellen, verteilten sich die Teilnehmer*innen im Raum und positionierten sich zu Aussagen wie „Mein Lieblingsfach in der Schule war ein MINT-Fach.“ oder „Ich war selbst ein begabtes Kind.“. Das sorgte nicht nur für Bewegung, sondern auch für erste Gespräche und einen unkomplizierten Einstieg in einen Tag, der ganz bewusst vom Austausch leben sollte.


Eröffnet wurde das Treffen von Prof. Dr. Steffen Teichert, Staatssekretär für Wissenschaft und Kultur im Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur. In seinen Worten rückte er dabei weniger Institutionen als vielmehr die Menschen dahinter in den Mittelpunkt: Netzwerke funktionieren dort, wo Menschen zusammenkommen, miteinander ins Gespräch kommen und Kooperationen tatsächlich mit Leben füllen. Gerade Schulen spielen dabei eine wichtige Rolle, weil hier junge Menschen erstmals mit Wissenschaft in Berührung kommen und Interessen entwickeln, die sie später an Hochschulen, Forschungseinrichtungen oder andere Lernorte weitertragen können.


🧪 Ausprobieren statt nur zuhören
Wie vielfältig MINT-Förderung aussehen kann, zeigte sich anschließend in zwei Workshoprunden. Dabei blieb es keineswegs bei theoretischen Impulsen. Die Teilnehmer*innen konnten viele Angebote selbst ausprobieren und so unmittelbar erleben, wie sich naturwissenschaftliche Fragestellungen für Schüler*innen aufbereiten lassen.
Im Workshop „Superfood“ etwa ging es nicht darum, Kurkuma, Chiasamen oder Spirulina lediglich unter ernährungswissenschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten. Stattdessen wurden daraus kleine Forschungsfragen: Wie unterscheiden sich Samen bei Wasseraufnahme und Gelbildung? Welche Strukturen lassen sich bei Spirulina unter dem Mikroskop erkennen? Und worin unterscheiden sich Cyanobakterien eigentlich von Pflanzenzellen? Auf diese Weise konnten Experimentierangebote getestet werden, die sich später auch mit Schüler*innen umsetzen lassen.


Andere Workshops beschäftigten sich unter anderem mit dem Weg „Vom Algorithmus zum Aha-Moment“, mit Wärmepumpen, mit Mikroplastik, dem Zusammenspiel von Code und Faden oder mit unterschiedlichen Zugängen zum Kopfrechnen. Gemeinsam war ihnen vor allem eines: Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften wurden nicht als fertiges Wissen präsentiert, sondern als etwas, das sich entdecken, hinterfragen und selbst erproben lässt.




Einen Einblick in aktuelle Forschung in Jena bot zudem die Vorstellung des Exzellenzclusters „Balance of the Microverse“. Dort untersuchen Wissenschaftler*innen mikrobielle Gemeinschaften und ihre Wechselwirkungen in unterschiedlichen Ökosystemen und im menschlichen Körper – ein Forschungsfeld, das Disziplinen von der Mikrobiologie bis zur Medizin und Umweltforschung miteinander verbindet.
☕ Forschung macht hungrig
Für die nötige Stärkung zwischen Workshops und Gesprächen sorgte zur Mittagszeit das Schülercafé MINT des Carl-Zeiss-Gymnasiums unter der Leitung von Kevin Cebulski. Mit Unterstützung der STIFT [Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen] wurde die Mittagspause organisiert und von unseren Schüler*innen vorbereitet und begleitet. Das Angebot kam bei den Gästen ausgesprochen gut an – und bot ganz nebenbei erneut Gelegenheit, Gespräche weiterzuführen, Kontakte zu vertiefen und neue Ideen auszutauschen.



Am Nachmittag öffnete schließlich der „Markt der Möglichkeiten“. Verschiedene Einrichtungen stellten dort ihre Angebote für Schüler*innen, Lehrkräfte und Schulen vor. Vertreten waren unter anderem das Deutsche Optische Museum, Jugend forscht, forum natura, das DLR_School_Lab sowie die Wurzel – Zeitschrift für Mathematik. Zwischen Informationsständen, Materialien und Experimenten ließ sich dabei schnell erkennen, wie groß das Netzwerk an außerschulischen Angeboten in und um Jena mittlerweile ist.




Dass diese Angebote am Ende nicht nur von Erwachsenen begutachtet wurden, passte besonders gut zum Charakter des Tages: Auch Schüler*innen unserer Mathe-AG der Klasse 6 mischten sich unter die Gäste, probierten verschiedene Stationen selbst aus und sorgten so dafür, dass die eigentliche Zielgruppe der Begabungsförderung ebenfalls vertreten war.


🤝 Netzwerke leben von Begegnungen
Am Ende des Tages blieb damit weit mehr als eine Sammlung neuer Materialien und Projektideen. Lehrkräfte trafen auf Wissenschaftler*innen, außerschulische Lernorte auf Schulen und langjährige Partner auf neue Ansprechpartner*innen. Manches Gespräch wird vielleicht zu einem Workshop führen, anderes zu einem Besuch im Schülerlabor, zu einer Wettbewerbsteilnahme oder zu einer neuen Kooperation.
Ein herzliches Dankeschön gilt deshalb besonders Nicole Planer und Sybille Weiß, die als Beauftragte für Begabungsförderung MINT Ostthüringen den Tag vorbereitet und organisiert haben, ebenso wie allen Referent*innen, Partnern und Unterstützer*innen, die das Netzwerktreffen mit ihren Ideen, Angeboten und Gesprächen bereichert haben.
📸 Julius Stammler
