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🕯️🔎 Auf den Spuren des NSU in Jena-Winzerla – Einblicke in unsere Projektarbeit und Einladung zum 9. November 🥀🎶

Was heute ein ganz gewöhnlicher Stadtteil Jenas ist, war in den 1990er-Jahren auch ein Schauplatz rechtsextremer Gewalt und Einschüchterung. In Winzerla entwickelte sich ein Umfeld, in dem sich später auch die Mitglieder des NSU radikalisierten. Wie diese Zeit das Leben junger Menschen prägte und welche Spuren sie bis heute hinterlassen hat, erfuhren unsere Schüler*innen am vergangenen Dienstag bei einem Stadtteilrundgang.

Begleitet wurde unsere Projekt-AG „Klang der Stolpersteine“ von Alex, einem Mitglied der Initiative „NSU-Komplex auflösen Jena“. Er führte die Schüler*innen der Klassenstufen 9 bis 12 an ausgewählte Orte im Stadtteil und vermittelte dabei Einblicke, die über das hinausgingen, was sich für die Schüler*innen bisher aus anderen Quellen erschließen ließ. Für unsere Schüler*innen, die sich seit Schuljahresbeginn mit der Geschichte des NSU beschäftigen, war dieser Abend daher ein besonderer Bestandteil ihrer bisherigen Projektarbeit.

Zwischen Jugendkultur, Gewalt und rechtsextremen Strukturen
Ausgehend vom Enver-Şimşek-Platz führte Alex uns tatsächlich oder gedanklich an verschiedene Orte, die für die Entstehung und Entwicklung der rechtsextremen Szene in Jena von Bedeutung waren. Besonders eindrücklich schilderte er das Leben junger Menschen in Winzerla während der 1990er-Jahre – einer Zeit, die heute häufig als „Baseballschlägerjahre“ bezeichnet wird.

Was bedeutete es damals, als Jugendlicher in diesem Stadtteil aufzuwachsen? Welche Möglichkeiten gab es, sich zugehörig zu fühlen, und wie stark bestimmten politische Einstellungen und Jugendkulturen den Alltag? Alex beschrieb eine Zeit, in der die Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen weit mehr als eine Frage des Musikgeschmacks oder Kleidungsstils war. Rechtsextreme Gewalt und Einschüchterung prägten den öffentlichen Raum. Wer sich dagegenstellte oder nicht in das Weltbild der rechten Szene passte, musste mit Anfeindungen und Übergriffen rechnen. Somit wurde den Schüler*innen ein Einblick in die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen sich die spätere NSU-Terrorgruppe entwickeln konnte, gegeben.

Eineinhalb Stunden reichten nicht aus, um die vielen Zusammenhänge, offenen Fragen und Versäumnisse rund um den NSU-Komplex umfassend zu beleuchten. Dennoch gelang es, unterschiedliche Aspekte miteinander zu verbinden: die Entwicklung der rechtsextremen Szene in Jena, die Entstehung des NSU, die Perspektive der Betroffenen und die bis heute andauernde Auseinandersetzung mit dieser Geschichte.

Was hat das mit unserer Gegenwart zu tun?
Besonders wichtig war uns der Blick auf die Gegenwart. Alex machte auf Parallelen zwischen den damaligen Entwicklungen und heutigen rechtsextremen Strukturen aufmerksam, insbesondere in ländlichen Regionen Thüringens.

Gleichzeitig erinnerte er daran, dass sich in Jena zahlreiche Menschen rechtsextremer Gewalt und Einschüchterung entgegengestellt haben und dies bis heute tun. Dass die rechten Strukturen der 1990er-Jahre nicht in gleicher Weise fortbestehen, ist auch ihrem Engagement zu verdanken.

Gerade darin lag eine wichtige Botschaft des Rundgangs: Es macht einen Unterschied, ob Menschen wegsehen oder sich einmischen. Ob sie Betroffene unterstützen, Aufklärung einfordern und sich gemeinsam gegen menschenfeindliche Einstellungen stellen.

Ein stiller Moment am Enver-Şimşek-Platz
Unser Abend endete an der Gedenktafel auf dem heutigen Enver-Şimşek-Platz. Dort gedachten wir in einer Schweigeminute der zehn Menschen, die zwischen 2000 und 2007 vom NSU ermordet wurden, und legten anschließend Rosen nieder.

Die Blumen erinnerten besonders an Enver Şimşek, der als Blumenhändler arbeitete und im September 2000 an seinem Verkaufsstand in Nürnberg von den Rechtsterroristen niedergeschossen wurde.

Wir danken Alex und der Initiative „NSU-Komplex auflösen Jena“ für den eindrucksvollen Abend, die Offenheit und die vielen Denkanstöße, die wir für unsere weitere Projektarbeit mitnehmen konnten.

NSU gemeinsam zum Thema machen – unsere Einladung zum 9. November
Die Eindrücke aus Winzerla nahmen die Schüler*innen direkt mit in ihre Projektarbeit, um weiterhin an ihren Beiträge für die diesjährige Veranstaltung „Klang der Stolpersteine“ zu arbeiten.

Am Montag, dem 9. November 2026, um 17:30 Uhr möchten wir die Ergebnisse dieser Arbeit auf dem Enver-Şimşek-Platz in Jena-Winzerla vorstellen. Im Mittelpunkt stehen die Mordopfer des NSU und ihre Biografien. Darüber hinaus beschäftigen sich unsere Schüler*innen in kleinen szenischen Beiträgen mit der Bedeutung des Akronyms NSU, den rechtsextremen Strukturen in Jena der 90er Jahre und den Bedingungen, unter denen sich die Täter in sogenannten „Angsträumen“ radikalisieren konnten. Musikalisch werden wir in diesem Jahr von der Band Samba Paradieso begleitet.

Engagement – keineswegs eine Selbstverständlichkeit
Dass sich unsere Schüler*innen freiwillig und über den Unterricht hinaus mit diesen schwierigen Themen beschäftigen, ist keineswegs selbstverständlich. Sie investieren Zeit, setzen sich mit erschütternden Lebensgeschichten auseinander und überlegen gemeinsam, wie sie ihre Erkenntnisse anderen Menschen vermitteln können. Ihr Engagement zeigt, dass Erinnerung auch von einer jungen Generation weitergetragen und mitgestaltet werden kann.

Wir laden alle Schüler*innen, Eltern, Kolleg*innen und Interessierten herzlich ein, am 9. November um 17:30 Uhr auf dem Enver-Şimşek-Platz dabei zu sein.

Es lohnt sich, zuzuhören, sich mit unserer Geschichte auseinanderzusetzen und gemeinsam ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen.