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✨ Klausuren, ein Schneemann und ganz viel Physik – Die 3. Runde der IPhO 🔬

Im November dieses Jahres fand an unserer Schule die zweite Runde der IPhO-Auswahl statt. Drei Schüler – Moritz Lösche und Vladislav Maiorov (11) sowie Leo Dobel (12) – gehörten zu den 50 besten Teilnehmenden und qualifizierten sich für die Bundesrunde. 🏆 Diese fand in Göttingen am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) statt. 🚀

Von links: Leo, Vladislav und Moritz

Am ersten Tag stand schon die erste theoretische Klausur an – doch davor musste man es zum DLR durch Eis und Schnee schaffen. ❄️ Nach dem 40 Minuten langen Spaziergang saßen wir erfrischt im Klausurraum und blickten auf die Aufgaben. Horror! In nur drei Stunden sollten fünf knifflige Aufgaben bearbeitet werden, darunter eine „nostalgische” Aufgabe aus der ersten Bundesrunde der IPhO-Auswahl, deren Schwerpunkt Physik der Wirbelströmungen im Wasser gewesen ist.

Etwas fröhlicher wurde die Stimmung, als bei einem Gespräch in der Kantine ans Licht kam, dass die Klausur bei mehr oder weniger allen nicht besonders gut gelaufen war. Für eine ausführliche Besprechung der Aufgaben blieb allerdings keine Zeit. ⏳ Auch am Nachmittag durfte man die Physik nicht hinter sich lassen: Ein Seminar begann, das uns auf die Experimente des nächsten Tages vorbereiten sollte. Dabei wiederholten wir nicht nur die Grundlagen des Messens und der Fehlerfortpflanzung – die Themen der Probeversuche erwiesen sich auch als hilfreicher Hinweis darauf, was in der echten Klausur nicht drankommen würde. 🤓

Nach dem Abendessen machten wir uns bereits auf den Weg zu unseren Zimmern, als plötzlich ein Jurymitglied unseren Weg blockierte. Er hatte mit dem Koordinator des Wettbewerbs um eine Tafel Schokolade 🍫 gewettet, dass er eine abendliche Tanzschule organisieren könne, und brauchte nun dringend Schüler. Also drehten wir uns um 180 Grad und liefen in den Keller, um dort alles von Walzer bis zu armenischen Hochzeitstänzen zu lernen. 🎶

Am nächsten Morgen wurden wir noch vor Sonnenaufgang von unserem Zimmernachbarn geweckt – nicht schlimm, so blieb mehr Zeit für die mentale Vorbereitung. Frühstück, Weg zum DLR, etwas Warten vor dem geschlossenen Klausurraum, weil nicht genug Papier vorhanden war 📄 – und schon begann die nächste Klausur.

Dieses Mal sollten wir in zwei verschiedenen Versuchen die Oberflächenspannung von Seifenblasen bestimmen und die Ergebnisse vergleichen. 🫧 Bei den anschließenden Diskussionen in der Kantine wurde eindeutig festgelegt, dass es deutlich mehr Spaß macht, mit Seifenblasen zu spielen, als sie gleichzeitig mit zwei Messgeräten zu untersuchen.

„In der Klausur musste man praktisch arbeiten, also können sie ja die ganze Theorie vergessen“, dachten sich offenbar die Juroren. Es folgte ein Himmelsmechanik-Seminar, in dem wir uns zunächst mit der allgemeinen Lösung des Zweikörperproblems beschäftigten. Da jedoch die meisten – unter anderem der Dozent – gegen 17 Uhr nicht mehr in der Lage waren, über Dichteverteilungen von Galaxien zu sprechen, entwickelte sich das Seminar schließlich zu einem Zweikampf in Skat 🃏 und Armdrücken. 💪

Wer diesen Text bis hierhin gelesen hat, kann sich vorstellen, dass dies nicht die letzte Veranstaltung des Tages war. Wer braucht schließlich Schlaf, wenn es noch einen Vortrag über Akustik 🔊, Datenauswertung 📊 und die Entstehung von Fluglärm gibt? ✈️

Der dritte Tag begann mit dem bereits bekannten Weg: Zimmer – Speisesaal – Zimmer – Klausurraum. Erneut stand eine theoretische Klausur an. Die ersten beiden Aufgaben ließen sich in wenigen Minuten lösen, doch irgendwann musste man das Aufgabenblatt umdrehen. Wenn die restlichen Aufgaben von unendlich langen Linsen 🔍, der Bestimmung des Abstands zu einer Straße anhand des Tons einer Krankenwagensirene oder der Strahlungsdichte von Sternen ⭐ handeln, fragt man sich langsam, ob Physik wirklich das richtige Fach ist.

Nach dem Mittagessen folgten weitere Seminare, diesmal gehalten von Mitarbeitenden des DLR. Zunächst beschäftigten wir uns mit Meteorologie 🌦️ und dem Einfluss des Wetters auf Flugzeuge, anschließend wurde erklärt, wie der Peitschenknall entsteht und warum eine Kette beim Fallen aus einem Behälter eine Fontäne bildet.

Im Seminar zur Meteorologie ging es u.a. um Idealzyklone

Am Abend erwartete uns schließlich ein extrem schönes Abendprogramm – nichts. Nachdem wir festgestellt hatten, dass wir tatsächlich nichts verpassen würden, beschlossen wir gemeinschaftlich, etwas früher schlafen zu gehen, um am nächsten Tag mit voller Energie in die letzte Klausur zu starten. ⚡

Der letzte Klausurtag begann nervös. Viele Teilnehmende waren der Meinung, dass – wie in den vergangenen Jahren – die zweite Experimentalklausur auf jeden Fall Optik beinhalten würde, ein im diesjährigen Zeiss-Team eher unbeliebtes Thema. Während also alle anderen Formeln zu Reflexion und Interferenz wiederholten 📚, betete jeder von uns leise, ein anderes Gebiet der Physik zu bekommen.

Da wir an diesem Tag zu den letzten Gruppen gehörten, die im DLR ankamen, standen wir ganz hinten im Gang und konnten den Klausurraum nicht sehen. Stille. Die Tür öffnete sich. Wir sahen nichts, hörten aber die enttäuschten Stimmen derer, die vor uns standen. Nach einer scheinbar endlosen Minute betraten wir den Raum und sahen auf den Tischen unsere Rettung: Spannungsquellen. 🔌 Keine Optik! 🎉

Nach einer Klausur über ein gut bekanntes Thema gingen wir in deutlich gehobener Stimmung in ein Seminar zur Allgemeinen Relativitätstheorie. 🪐 Allerdings stellte sich schnell heraus, dass die Minderheit, die sich noch für die Minkowski-Raumzeit interessierte, kaum Chancen hatte. Trotz des Ärgers der Organisatoren bauten wir stattdessen einen riesigen Schneemann. ⛄

Ob der Schneemann bereits so groß ist, dass er die Raumzeit krümmt?

Am Abend besuchten wir zum Ausgleich eine Boulderhalle 🧗 und konnten Physik endlich einmal komplett vergessen. Einige Teilnehmende probierten sogar die für die Boulder-Bundesliga vorbereiteten Wände aus – und kamen zu dem Schluss, dass Physik auf Bundesniveau doch einfacher ist. 😅

Entspannen in der Boulderhalle

Der folgende Tag war mit Abstand der stressigste: der letzte Korrekturtag. Man tat im Grunde nichts, sollte dabei aber gleichzeitig nicht daran denken, dass die Juroren in der Jugendherberge gerade entscheiden, wer die ersten 15 Plätze belegt und in die Finalrunde einzieht. 🏅

Die Teilnehmenden wurden in drei Gruppen aufgeteilt. Sie konstruierten Modelle für einen Fliegerwettbewerb, besuchten echte Experimentalstationen des DLR 🛰️ oder steuerten in einer Simulation ein Flugzeug (kleiner Expertentipp: Es ist deutlich einfacher, Flugzeuge zu fliegen als sie zu konstruieren). Danach blieb noch Zeit für eine kurze, selbst organisierte Stadtführung.

Wer möchte damit fliegen? Dann doch lieber ein Flugzeug in der Simulation steuern!

Beim Abendessen wurde klar, dass bei der anstehenden Aufgabenbesprechung keine Punktzahlen genannt, sondern nur die Musterlösungen vorgestellt würden. 📑 Daraus ließen sich zwei Dinge schließen: Die Veranstaltung war nutzlos, und der Stress endete an diesem Tag nicht. Da Schlaf unter diesen Umständen ohnehin kaum möglich war, verbrachten wir die Nacht mit verschiedenen Brettspielen. 🎲

Am nächsten Morgen ging es ein letztes Mal zum DLR – diesmal sogar mit dem Bus. Dort wartete der Abschluss der langen Woche: die Siegerehrung. 🏆 Nach Begrüßungen durch die Bürgermeisterin von Göttingen und Vertreter der Deutschen Physikalischen Gesellschaft folgte ein kurzer Vortrag über Ultraschall, den kaum jemand bis zum Ende durchhielt. Schließlich wurden die 35 nicht qualifizierten Teilnehmenden in zufälliger Reihenfolge auf die Bühne gerufen. Als der 35. Name genannt war, wurde jede Form von Vernunft vergessen. Schade, dass der Professor vom zweiten Tag nicht anwesend war – er hätte sicher Neues über extreme Lautstärken gelernt. 📣

Und dann der spannende Teil: Unsere Schüler waren dabei. 🎉 Während Moritz nur in der oberen Hälfte landete und die Endrunde knapp verpasste, belegten Leo den 8. und Vladislav den 7. Platz – mit einem Abstand von weniger als einem Punkt. Beide qualifizierten sich damit für die Finalrunde in Garching. Da Vladislav außerdem zu den fünf besten Teilnehmenden gehörte, die noch nicht im letzten Schuljahr waren, qualifizierte er sich zusätzlich für die Europäische Physikolympiade (EuPhO) in Schweden. 🇸🇪 ✨

Gruppenfoto aller Teilnehmer der dritten Auswahlrunde. In der Mitte der ersten Reihe sind Leo und Vladislav!

Text: Vladislav Maiorov
Bilder: Vladislav Maiorov, Leo Dobel, Moritz Lösche, IphO-Team