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Der Fachbereich Physik verabschiedet langjährige Kollegin in den Ruhestand

Außerordentlicher Fachzirkel im Stahlwerk Thüringen in Unterwellenborn

Im dicht gedrängten Schulalltag ist es kaum möglich, gemeinsam über den Tellerrand hinauszublicken. Und genau dafür traf sich der Fachbereich Physik am Sonntagnachmittag im SWT – Stahlwerk Thüringen – in Unterwellenborn.

Neben den aktiven Lehrern Herrn Kriester, Noack, Schade und Völker waren auch unsere ehemaligen Kollegen Herr Dietzel, Ensslen und Hoffmann mit dabei. Anlass des außerordentlichen Fachzirkels war die würdevolle Verabschiedung unserer langjährigen Kollegin Frau Reichelt, die damit nun von den aktiven zu den – immer willkommenen – ehemaligen Physiklehrern gewechselt ist. An dieser Stelle sei auch allen Kolleginnen und Kollegen gedankt, die sich mit Grußkarte und Geschenk ebenfalls von Frau Reichelt verabschiedet haben.

In einer etwa 3-stündigen Führung konnten wir Einblicke in alle Produktionsschritte gewinnen. Die Führung begann auf dem werkseigenen Schrottplatz, wo wir beobachteten, wie Wagenladungen voll Metallschrott mit riesigen Elektromagneten entladen wurden. Das Stahlwerk verarbeitet pro Tag ca. 3500 t Metallschrott. Dieser wird im ersten Schritt in einem Gleichstrom-Lichtbogenofen eingeschmolzen (120 t werden in 50 Minuten eingeschmolzen und auf 1650°C erhitzt), wobei der Ofen etwa den Energiebedarf der ganzen Stadt Jena hat. Der flüssige Stahl wird im Pfannenofen weiter erhitzt und die benötigte Stahlzusammensetzung eingestellt, bevor in vier parallelen Stranggießanlagen die rohen Profile, sogenannte „Beam Planks“, gegossen werden.

Im Walzwerk erhalten die Beam Plancks ihre endgültige Form. Dabei vergrößert sich ihre Länge von 11 m auf ca. 100 m. Die Stahlprofile sind dann noch 950°C heiß (rotglühend!) und werden zum Abkühlen auf ein Kühlbett gelegt. Bereits nach kurzer Zeit konnten wir beobachten, wie die Stahlprofile aufhörten zu glühen und gleichzeitig so stark ihre Länge verringerten, dass dies selbst aus einiger Entfernung mit bloßem Auge sichtbar war. Das beeindruckt gerade dann, wenn man vor Augen hat, mit welchen Tricks man den eigentlichen kleinen Effekt der thermischen Längenänderung im Klassenraum für die Schüler sichtbar machen muss. Eine rundum gelungene Exkursion mit vielen Anknüpfungspunkten für den Physikunterricht.

Text und Fotos: Dr. Stefan Völker