„Bis hierhin und nicht weiter!? Grenzen in der Geschichte“ lautete das Thema der 29. Ausschreibung des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten. Vom 1. September 2024 bis zum 28. Februar 2025 sind über 6.720 Kinder und Jugendliche auf historische Spurensuche gegangen und haben 2.289 Beiträge eingereicht. Damit ist die aktuelle Wettbewerbsrunde die erfolgreichste seit 30 Jahren. Auch ein Grundkurs Geschichte des Abiturjahrgangs 2025 folgte dem Aufruf und beteiligte sich zum Landeswettbewerb erfolgreich mit Arbeiten, die bereits in Erfurt ausgezeichnet wurden. Dort überreichte u.a. der Thüringer Ministerpräsident die Preise an sechs Abiturienten unserer Schule.
Alle Landessiege hatten die Chance, von der Bundesjury noch mit einem der 50 Bundespreise ausgezeichnet zu werden. Das Projekt der ehemaligen Schülerinnen Virginia, Anika, Linnéa und Mara gehörte zu diesen Arbeiten, die mit einem 3. Bundespreis (Preisgeld 750 Euro) ausgezeichnet wurde. Die vier Jugendlichen untersuchten in ihrem Projekt:
„Welche ‚Grenzen‘ stecken in einem Stapel Feldpostbriefe aus dem Ersten Weltkrieg?“
Im Ersten Weltkrieg wurden insgesamt 11 Milliarden Briefe mit der Feldpost verschickt. Briefe waren für die Soldaten die einzige Möglichkeit, ihren Verwandten ein Lebenszeichen zukommen zu lassen und vom Leben an der Front zu berichten. Welche Wege die Briefe zurücklegten und welche Grenzen sie dabei überquerten, untersuchten vier Schülerinnen anhand von Briefen an Albert Posse. Der in Holzengel ansässige Landwirt erhielt während des Ersten Weltkriegs zahlreiche Briefe von Freunden und Verwandten an der Front. Die Zwölftklässlerinnen sortierten die Briefe nach Absendern und analysierten deren Inhalt sowie die Motive der Postkarten. Besonders herausfordernd war es für sie, die Texte zu entziffern. Diese waren über die Jahre
verblasst und zudem in Kurrentschrift geschrieben, einer altdeutschen Schreibschrift aus dem 16. Jahrhundert. Aus ihren Ergebnissen erstellten die Teilnehmerinnen Ausstellungsplakate für einen Museumsrundgang.
Das Projekt wurde im Unterricht tutoriert von Maximilian Urbaneck und Tom Fleischhauer. Die entstandenen Ausstellungstafeln wurden digital dem Kreisarchiv des Kyffhäuserkreises zur Verfügung gestellt, weil ja der Landwirt aus Holzengel stammt. Zur Bundespreisverleihung waren nur die Teilnehmenden der 1. Plätze eingeladen, d.h. die vier Ausgezeichneten erfuhren per E-Mail von ihrer Platzierung. Wir gratulieren sehr herzlich und danken nochmals für die intensive sowie sehr eigenständige Projektarbeit!

Zum Hintergrund:
Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer setzten sich in ihren Beiträgen mit der ehemaligen, innerdeutschen Grenze auseinander. Oft spielen dabei die eigene Familiengeschichte und persönliche Grenzerfahrungen eine tragende Rolle. Spurensuchen zur eigenen Familie führten die jungen Forschenden aber beispielsweise auch nach Ungarn, Südkorea oder in südamerikanische Länder.
Die eingereichten Arbeiten zeigen in beeindruckender Vielfalt: Grenzen sind mehr als Linien auf der Landkarte, sie tauchen ebenso in gesellschaftlichen, politischen und räumlichen Strukturen auf. Dabei wirken sie nicht nur als Barrieren oder Hindernisse, sondern auch als Räume der Begegnung, des Schutzes oder der Überwindung. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben eindrucksvoll gezeigt, wie vielschichtig das Thema „Grenzen“ ist – und wie sehr es Vergangenheit und Gegenwart prägt.
Die Rede des Bundespräsidenten („Ein Proberaum der Demokratie“) ist online nachzulesen, ebenso werden die ersten Preise digital vorgestellt bei der Körber-Stiftung. Wir freuen uns, damit auch als erfolgreiche Schule des Geschichtswettbewerbs zu gelten.
[Text: Tom Fleischhauer]
